Stellungnahme zur aktuellen Lage und politischen Situation in Mali (April 2012)

Hilfe für Mali - nach dem Militärputsch?!

Kämpfe im Norden und Militärputsch in Mali - sicherlich haben Sie die jüngsten Nachrichten über die politischen Unruhen in Mali in den Medien mitverfolgt.

Was sind die Hintergründe und welche Auswirkungen hat das für die Projekte der Mali-Hilfe?

Unabhängigkeitsbewegungen der nomadischen Tuareg hat es in Mali immer wieder gegeben. Die jüngste Rebellion hat jedoch durch Tuareg-Kämpfer, die nach dem Sturz Gaddafis aus Libyen zurückkamen, massive "Verstärkung" erhalten, mit modernsten Waffen im Gepäck. Es war bekannt, dass seit Ende des Libyen-Krieges Waffen in der Wüste zirkulierten. Insofern kann man dem nigrischen Präsidenten M. Issoufou beipflichten, der den jüngsten Tuareg-Aufstand für einen "Kollateralschaden der libyschen Krise" hält. Doch schon zuvor hatte der malische Staat wenig Kontrolle über die Wüstengebiete im Norden, in denen Drogenschmuggler und Al Quaida im islamischen Maghreb (AQIM) operierten. Schon seit mehreren Jahren warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in diese Region.
Mitte Januar 2012 kamen bei Kämpfen in der Stadt Menaka knapp 50 Menschen ums Leben. Die z.T. schlecht ausgerüstete malische Armee hatte den Angriffen der gut bewaffneten Rebellen wenig entgegenzusetzen.

Nach dem Putsch am 22. März durch Offiziere der malischen Armee hat Mali letztlich die Gebiete im Norden an die Tuareg-Rebellen verloren, die - nur eine Woche später - in einer Blitzaktion die drei Regionen Kidal, Gao und Timbuktu eingenommen und einen unabhängigen Staat ausgerufen haben. Mit den Kämpfen, die bereits im Januar begonnen haben, setzte eine Flüchtlingswelle der Bevölkerung ein. Inzwischen haben mehr als 200.000 Flüchtlinge ihre Heimat verlassen und Unterschlupf in den Nachbarstaaten gesucht. Die EU warnt vor einer humanitären Katastrophe.
Die Lage ist ernst - vor allem für die Menschen im Norden des Landes.

Drohende Hungerskrise

Hinzu kommt, dass in diesem Jahr im westafrikanischen Sahel eine Hungerkrise droht, von der auch Mali betroffen ist. Aufgrund der Dürre kam es im letzten Herbst zu massiven Ernteausfällen. Die mageren Getreidevorräte werden viel früher als üblich aufgebraucht sein. Leider erfährt man darüber wenig in unseren Medien, obwohl viele Hilfsorganisationen wie Oxfam, die Welthungerhilfe und auch das Bündnis Aktion Deutschland Hilft (ADH) darauf hinweisen. Fatal ist, dass Mali und andere westafrikanische Staaten Hilfe in der Nahrungsmittelversorgung dringender brauchen denn je, um eine Hungerkatastrophe wie vor einem Jahr in Ostafrika zu vermeiden.

Einschätzung der Deutschen Botschaft

Aufgrund der politischen Ereignisse haben wir nach dem Putsch mit der Deutschen Botschaft in Bamako Rücksprache gehalten und um ihre Einschätzung gebeten. Die Botschaft sieht keine Veranlassung, dass wir unsere Unterstützung aussetzen sollten. Im Gegenteil: "Basisnahen Projekten nichtstaatlicher Träger kann gerade in Zeiten, in denen die 'offizielle' EZ (Entwicklungszusammenarbeit) mehr oder weniger ausfällt und zu allem Übel auch noch Wirtschafts-, Finanz- und Verkehrssanktionen gegen das Land in Kraft sind, eine besondere Wichtigkeit zukommen", so die Antwort des Botschafters Karl Flittner in Bamako (3. April 2012, per E-Mail).


Auswirkungen auf die Projekte der LAG Mali?

Landkarte MaliEntscheidend für die Projekte der LAG Mali ist, dass wir an der Basis, d.h. mit malischen Nichtregierungsorganisationen der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und nicht auf "Regierungsebene".

Zum Zweiten befinden sich unsere Projekte im südlichen Teil Malis, 200 km im Umkreis der Hauptstadt Bamako (siehe rechts im Bild).

Wir sind daher entschlossen, unsere Hilfe zur Selbsthilfe im ländlichen Raum fortzusetzen.
Natürlich beobachten wir die Entwicklungen mit einem wachsamen Auge und im engen Austausch mit unseren malischen Partnern.

Inzwischen sind die Putschisten unter dem Druck der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückgekehrt. Nach wenigen Tagen hob die ECOWAS die Sanktionen auf. Ein Interims-Präsident, Dioncounda Traoré, wurde am 12. April offiziell in sein Amt eingeführt, das er bis zu den nächsten Wahlen ausüben wird.

Für eine regelmäßige und fundierte Berichterstattung über Mali verweisen wir auf die Berliner "tageszeitung". Auch online unter www.taz.de können unter dem Stichwort Mali ältere Artikel chronologisch abgerufen werden.

In den letzten 20 Jahren blieb es erstaunlich ruhig in Mali. Das Land galt sogar als demokratisches Musterland und Stabilitätsfaktor inmitten der von politischen Krisen gezeichneten westafrikanischen Region.
In 2012 blickt die LAG Mali auf ihr 30-jähriges Bestehen zurück. Als Bertold Kamm 1982 die LAG Mali gegründet hat, stand Mali unter einem diktatorischen Regime. Schon damals stand die Not der Menschen und Hilfe an der Basis für die "Mali-Hilfe" im Vordergrund. Daran sollten wir uns in unserem Jubiläumsjahr erinnern.

Gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit, brauchen die Malierinnen und Malier unsere Unterstützung! ↑ nach oben

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